Fundbüro – die größten Netzklopse

Aus einer E-Mail:

„Ihre Facebook-Seite könnte mehr Fans gebrauchen? Mit uns erhalten Sie zusätzlich bis zu 10.000 echte, reale, deutsche oder internationale Fans für Ihre Facebook Seite! Vergessen Sie die vollmundigen Versprechen von anderen Anbietern und testen Sie unsere deutschen Qualitäts-Fans für Facebook. Kommen Sie jetzt zum Marktführer!“

Hallo, geht’s noch? Mal abgesehen von der lausigen Formulierung schon dieses ersten Absatzes – was ist wohl der Unterschied zwischen „echten“ und „realen“ Fans? Und warum soll ich bei diesen vollmundigen Versprechen die vollmundigen Versprechen von anderen Anbietern vergessen, die doch eigentlich im Genitiv stehen müssten, die Anbieter – obwohl ich die vollmundigen Versprechen anderer Anbieter gar nicht vergessen kann, weil ich sie nicht einmal kenne. Alles gar nicht so einfach, denn die deutsche Sprache hat so ihre Tücken, aber immerhin passt ja hier der Stil (schlecht) zum Inhalt (mies). Und alles fügt sich aufs Feinste zu einem einheitlich unterirdischen Gesamteindruck.

Die Klippschule für Texter

Aber, lieber Marktführer, eines interessiert mich doch: Wie kann ich diese deutschen Qualitätsfans testen? Und worauf sind die eigentlich dressiert? Schaffen sie es vielleicht, in 30 Sekunden 40 Seiten zu liken? Oder können sie womöglich kommentieren, ohne zu wissen, was sie damit sagen? So wie ungefähr gefühlte 87 Prozent aller Facebookfans? (Selbstverständlich mit Ausnahme der meinigen! Die sind nämlich alle total schlau und vernünftig und kompetent.)

Eines ist jedenfalls klar: Im Blödsinn schreiben werden Deine deutschen Qualitätsfans sicherlich Probleme haben, mit Dir, lieber Marktführer, mitzuhalten …

Vom Schreiben

Das deutsche Gegenwartstheater, das schon kurz davor ist, sich selbst abzuschaffen, könnte dank Daniel Kehlmann und ein paar anderen erfreulich uneitlen und ebenso klugen wie begabten Autoren vielleicht doch noch eine Überlebenschance haben …


Es wird Zeit, dass gelegentlich mal jemand aufsteht und so ganz nebenher einfach erwähnt, dass der Kaiser eigentlich nackt ist! Wenn das dem Kaiser (dem kritikerkompatiblen, sich selbst beweihräuchernden Regietheater) nicht gefällt – so what! Dazu hat Daniel Kehlmann einiges zu sagen, was nicht nur vernünftig, sondern vor allem konstruktiv ist.

Friedenauer Schreibstube
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