Sprachgeschluder

(Aus einer Online-Rezension über den Roman DIE ERDFRESSERIN)

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… „Feinfühlig, beinahe psychologisch geschult verdichtet Rabinowich das Dickicht dieses Schicksals, in das vermutlich nicht nur von ihr gedolmetschte Therapiesitzungen einflossen, sondern auch das Schicksal der irischen Sängerin Sinéad O’Connor durchaus Pate gestanden haben könnte. Außerdem lassen sich intertextuelle Bezüge zu Dostojewskis „Idiot“ und „Schuld und Sühne“ sowohl auf der thematischen als auch motivischen Ebene feststellen. Die Sprache des Romans zeichnet sich durch Leichtigkeit und Lebendigkeit aus.  …“

Nun, das lässt sich von dieser Rezension nicht gerade sagen. Jedenfalls kann ich mich nicht für das verdichtete Dickicht dieses Schicksals begeistern. Und viel Lust, das Buch zu lesen, hab ich jetzt auch nicht mehr.

Neues aus der Texterei

Aus aktuellem Anlass:
„Die Olympiade beginnt am 27. Juli 2012.“ So liest man’s hier und dort und ständig, aber es ist falsch. Eigentlich. Denn korrekt müsste es heißen: Die Olympischen Spiele beginnen am 27. Juli 2012, die Olympiade hat schon am 1. Januar 2012 begonnen, denn die Olympiade beginnt immer am 1. Januar. 
Häh?, werdet ihr fragen, wenn ihr aus Süddeutschland kommt, und noch mal für die Berlina: Wat?
Hier die Aufklärung: Das Wort OLYMPIADE bezeichnet die Zeit zwischen den Olympischen Spielen. In der griechischen Antike war das die Grundlage der Zeitrechnung. Seit der Neubegründung der Olympischen Spiele beginnt die Olympiade immer am 1. Januar des Jahres, in dem die Olympischen Spiele (Sommerspiele) stattfinden.

Das also ist die Theorie, die wie alle treuen Freunde ahnen, grau ist. Denn – und hier kommt nun die Begründung für das „Eigentlich“ im ersten Absatz: Irgendwann in den letzten 25 Jahren haben die Sprachwissenschaftler resigniert. Der Begriff wurde so oft falsch verwendet, dass man ihn mittlerweile sogar mit dem Segen des Duden als Synonym für die Olympischen Spiele verwenden darf.

Sprachgeschluder VII

Facebook verwöhnt mich wieder mit personalisierter Werbung und einer besonders gelungenen Überschrift neben dem Heidi-Klum-Foto: 
‚Hauen 9 kg, in 14 Tag‘ 
Aha.
Liebe Leute, wenn ihr schon angeblich auf mich zugeschnittene Angebote ins Netz stellen wollt, dann müsstet ihr doch auch wissen, dass ich nicht nur ein großer Fan der deutschen Sprache, sondern auch unerbittlich pingelig bin, was den Umgang mit Rechtschreibung, Zeichensetzung, Syntax und Grammatik betrifft. Alles andere ist für mich unseriös. Und nebenbei, also echt mal: 9 Kilo in 14 Tagen … wie doof muss man sein, um das zu glauben!

Sprachgeschluder VI

Heute: Das BlaBlaMeter
Eine schöne Idee zur Verhinderung von Sprachschludereien und Schreibdummfug – endlich kann man selbst erkennen, wie viel Blödsinn in einem Text steckt. Auch mal Lektor spielen? 
Na gut, dann wollen wir mal nicht so sein …

Auf dieser Seite  
http://www.blablameter.de/ findet man ein Textfeld, in das man einen beliebigen Text hineinkopieren kann und – ruppeldizupf – wird der Bullshit-Index ausgerechnet.

Ich würde diese Seite natürlich nicht empfehlen, wenn ich sie nicht ausprobiert hätte. Nachdem ich mehrere Filmkritiken aus den letzten Monaten eingegeben habe, kann ich erleichtert sagen: Puuh! Bullshit-Index bei durchschnittlich 0,7 (in Worten: null Komma sieben). Das hört sich ziemlich gut an.

Also: einfach mal ausprobieren! 

Sprachgeschluder IV

Soeben im Werbespot gehört: „Fleisch anbraten – immer wieder eine Herausforderung!“

Hä? Bitte, wie?
Was kommt als nächstes? „Wasser kochen – das letzte ungelöste Problem der Menschheit?“

Sprachgeschluder III

Fundsache:
 „Heidi Klum hat 15 kg abgenommen.
Lose ein wenig Körperfett jeden Tag, indem Sie diese überraschende Gewichtsverlust Spitze.“
(gesponserte Anzeige in Facebook)

Aha! Mal ganz abgesehen davon, dass Heidi Klum vermutlich nicht mal 15 Kilo zunähme, wenn sie Drillingen das Leben schenken wollte: Wie doof muss man eigentlich sein, um diesen sprachlichen Müll ernst zu nehmen? (angeblich 3.865 likes). Und selbst wenn hier mal wieder der automatische Übersetzer am Werk war – würde eine seriöse Firma auf diese Weise für sich werben?

Unterwegs mit Akribia Schlau-Meier III

„Das wäre dann genau das Klientel, das wir ansprechen wollen!“, rief der Redner und weckte mich damit unsanft aus dem Halbschlaf, in den er mich schon mit den ersten Worten seines Power Point-Vortrags zum Thema „Online Marketing“ versetzt hatte.

Nein, Burschi!, dachte ich. Da liegst du komplett falsch, denn 1. ist Klientel weiblich, weil abgeleitet von lateinisch „clientela“, und 2. reagiert eben gerade DIE Klientel, die du vermutlich meinst, sehr allergisch auf solche Sprachschlampereien. Ich zum Beispiel.
Warum in aller Welt, im Universum und darüber hinaus wollen gefühlte 87 Prozent aller Marketingexperten unbedingt Fachbegriffe und Fremdwörter verwenden, die sie nicht beherrschen? Da reden sie von Silo-Millejöhs statt von Sinus-Milieus, planen den „Relongsch“ (s. ASM II zum Thema „Lounge“) oder gar den „Rilansch“ und sie wollen Bereiche autsoßen statt outsourcen. Können diese Vollpfosten nicht wenigstens die Vokabeln ihrer eigenen Fachsprache auswendig lernen?
Pass bloß auf, mein Lieber, dachte ich, du bringst dich hier gerade in eine Lose-Lose-Situation …
„Hat jemand noch Fragen dazu?“ – Ich meldete mich.
„In welches Sinusmilieu würden Sie denn am ehesten IHRE Klientel einordnen?“, fragte ich.
Die Antwort kam prompt: „Also, ich würde das Klientel am ehesten in AB 12, konservativ-etabliertes Millejöh bzw. B 1 – liberal intellektuelles Millejöh, intrigieren.“
Treffer, versenkt – und tschüs!
Friedenauer Schreibstube
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