Montag, 13. Februar 2012
Man glaubt es kaum: Nach der Pressevorstellung im CinemaxX 7 habe ich sage und schreibe drei Euro fuffzig unter meinem Sitz gefunden.
Als ich freudig einer Kollegin davon erzählte, freute sie sich nicht etwa mit mir, sondern meinte, es würde sich mit tödlicher Sicherheit um einen besonders dilettantischen Bestechungsversuch handeln. Typisch für die Situation von Filmjournalisten scheint mir vor allem, dass sie meint, man könne mit 3,50 jemanden bestechen. Immer nach dem Motto: „Alle sind korrupt – wir sind billiger.“
Berlinale-Krümel
Sonntag, 12. Februar 2012:
Als der Friedrichstadtpalast Berlinale-Kino wurde, habe ich geschäumt: So vielen richtigen Kinos in der Stadt geht’s richtig schlecht, und die Berlinale hat nix Besseres zu tun, als schon wieder eine Unmasse Geld in ein defizitäres Revuetheater zu stopfen, ausverschämte Geldverbrennung, da mach ich nicht mit, nie würde ich während des Festivals auch nur einen Fuß … was man Derartiges so dahinsagt im jugendlichen Übermut.
Sorry – ich nehme alles zurück. Gestern hab ich zum ersten Mal im Friedrichstadtpalast einen Film gesehen anstelle von Hupfdohlen und, ich sag es wirklich nicht gerne: Es hat mir besser gefallen als im Berlinale-Palast.
Man sieht gut, auch in den vorderen Reihen. Die Leinwand ist riesengroß, Ton und Bild sind okay, die Sitzreihen ein bisschen eng, dafür wirkt das Haus im Gegensatz zum Berlinale-Palast auch als Kino großzügig und geräumig, sehr viel atmungsaktiver und entspannter.
Aber was hat der kleine Pinökel genau oben in der Mitte der Leinwand zu suchen?
Vernünftige Entscheidung: Es gibt keine Pressefächer mehr. Vermisst sie jemand? Ich möchte nicht wissen, wie viele tausend Blatt jeden Tag hier verteilt wurden. Jedes Jahr wurden es mehr. Ganze Wälder sind dafür draufgegangen … wer sollte das denn alles lesen?
Stattdessen bekommt man jetzt Tausende von E-Mails. Aber das macht mir komischerweise nix aus. Ich klick einfach weg, was mich nicht interessiert, und habe damit viel weniger Arbeit als mit den Papierstapeln.
Berlinale-Krümel
Sonnabend, 11. Februar 2012:
Dass man auf einem Berlinale-Empfang Rentierschinken essen kann, ist eher ungewöhnlich. Heute geschehen auf dem Empfang des „Indigenous Film Circle“, wo ich das erste Mal samische Trachten live erleben durfte. Inzwischen weiß ich, dass es ein Samisches Filmfestival gibt – mit dem einzigen Drive In-Motorschlittenkino der Welt. Ich habe nicht nur Rentierfleisch probiert, sondern auch Fladenbrot mit gebackenem Lachskaviar (!?) und vor allem hab ich die Infobroschüre mitgenommen, die auf dem Empfang auslag. Eine tolle Idee: Filmleute aus der ganzen Welt, die indigenen Völkern angehören, haben sich zusammengeschlossen. Zu ihnen gehören Maori, Samen, Maya, Inuit, Angehörige der First Nations und viele andere, die gemeinsam dafür arbeiten, dass mehr indigene Filmgeschichten erzählt werden. Mehr dazu auf http://indigenousfilmcircle.com
Gestern hat wieder nach der Pressevorstellung ein einzelner gebuht. Ich glaube, es ist immer derselbe. Hier die Beschreibung: Er trägt ausschließlich schwarze Klamotten, lebt allein in Berlin-Schöneberg, isst ausschließlich an Imbissbuden und auf Empfängen, telefoniert sonntags mit seiner 82jährigen Mutter in Preußisch Oldendorf, er hat zirka 5.000 Filme im Kino gesehen – alles Mist außer vielleicht „Der müde Tod“ (Fritz Lang, 1921) -, er spricht alle Originaltitel korrekt aus („… es heißt Potjomkin!“) und hatte noch nie Sex außer mit sich selbst, weil er sich nicht entscheiden kann, ob er hetero oder schwul ist. Okay, dies alles trifft vermutlich auf 80 Prozent aller Filmkritiker zu, aber trotzdem: Pfui Deibel!
Berlinale-Krümel
Freitag, 10. Februar:
Dialog auf der Damentoilette im CinemaxX: „Jule, hier gibt es nun mal jetzt kein Popcorn, und ich möchte das nicht weiter thematisieren. Mach da bitte nicht wieder ’ne große Nummer draus!“
… der Gewinner des Trainingsbären …
Liebe Netzgemeinde, liebe Clip-Welt,
der Sieger meiner kleinen Reihe „Training für die Berlinale“ steht fest, und hier ist er (Tusch!):
Ein Berliner Trainingsbär geht an den Film „Hamster Bob“ für seinen chevaleresken, unbekümmerten Umgang mit Zeit und Raum sowie für die schonungslose Geißelung der Kleintierhaltung.
Eine lobende Erwähnung geht an den Film „Pigloo Papa Pinguin“ für den Humor und die Sensibilität, mit der ein selbtstbewusstes Pinguinkind seinen alleinerziehenden, verbitterten Vater zu neuer Lebensfreude führt.
Diese beiden Clips waren mit Abstand die beliebtesten. Hier könnt ihr sie noch einmal sehen:
Hamster Bob – eine animierte Amour fou mit viel Geist und Witz
Pigloo Papa Pinguin – das Niedlichste, was die Antarktis zu bieten hat!
Programm der Berlinale 2012
http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/programmsuche.php
Und nun heißt es: Schluss mit dem Training – es geht los!
Endlich kann ich lesen und planen, Termine machen und vorbereiten.
Dem Festivalteam, uns und euch allen wünsche ich eine erfolgreiche Berlinale.
Friedenauer Autorenstammtisch am 1. Februar 2012
Für alle, die Literatur selbst produzieren oder zumindest mit Begeisterung konsumieren, gibt es in Berlin einen Treffpunkt: An jedem ersten Mittwoch im Monat findet ab 17.00 Uhr der Friedenauer Autorenstammtisch statt, und zwar im „Hell oder Dunkel“, Laubacher Straße 28 in 14197 Berlin, Nähe Bundesplatz.
Dort können Menschen, die sich fürs Lesen und/oder fürs Schreiben interessieren, in lockerer Runde über Tipps, News und Informationen aus der Welt der Literatur sprechen. Zu jedem Treffen ist ein Experte geladen, der über ein besonderes Thema spricht und natürlich auch Fragen dazu beantwortet. Diesmal wird der Autor und Verleger Chris Kurbjuhn zum Thema „E-Books“ berichten.
Eine Anmeldung ist nicht notwendig, aber willkommen! Weitere Informationen unter info(at)kulturspirale.de oder telefonisch: 030 33 77 28 32.
Training für die Berlinale – jeden Tag ein guter Film (9)
Heute ein Kurzfilm meiner Freundin Sükriye Dönmez!
So spricht Berlin
Heute startet eine besonders spannende Serie. Es geht nämlich um berlinerische Redewendungen und Begriffe. Wer helfen möchte, diese sprachhistorisch und kulturgeschichtlich interessanten Sprachperlen zu erhalten, ist herzlich eingeladen zur Begegnung mit dem alten Berlin!
Unser erster Begriff: „Fisimatenten“
Verwendung/Gebrauch: „Mach keine Fisimatenten!“
Bedeutung: Mach keinen Blödsinn!
Volksetymologisch wird der Begriff aus dem Französischen hergeleitet, von „Visitez ma tente“ (Besuchen Sie mein Zelt“). Das sollen die französischen Soldaten zu den selbstverständlich wunderhübschen Berlinerinnen gesagt haben, als Berlin zu Beginn des 18. Jahrhunderts von den napoleonischen Truppen besetzt war. Die Mütter hätten darauf die Mädchen angewiesen: „Mach bloß keine Fisimatenten!“
Selbst wenn sich diese hübsche Herkunftsgeschichte sprachwissenschaftlich (leider) nicht bestätigen lässt, so ist sie doch typisch für die damalige Zeit und natürlich für die Berlinerinnen – Mütter wie Töchter.
So spricht Berlin … Balinan füa alle, wa! (2. Lektion)
Das ßett
