Marketingtipps für Schreibende – Teil 2

Öffentlichkeitsarbeit für Buchautorinnen und -autoren – heute: Rezensionsexemplare
Seit der Veröffentlichung von Teil 1 habe ich mit vielen Autorinnen und Autoren gesprochen. Fast alle, die in einem klassischen Buchverlag veröffentlicht haben, beklagen sich über die PR ihres Verlages. Und das hört sich dann ungefähr so an: 
„Die machen GAR nichts!“
„Wenn ich mich nicht selbst drum kümmern würde, würde ich kein einziges Buch verkaufen!“ „Die paar Zeitungsberichte, die über mich erschienen sind, hab ich alle selbst angeleiert.“ 
„Der Verlag verschickt nicht mal Rezensionsexemplare!“

Hier klaffen Erwartungshaltung und Realität in erschütternder Form auseinander. Auf der einen Seite steht ein junger (= unerfahrener) Autor, der zu Anfang überglücklich war, überhaupt einen Verlag gefunden zu haben. Jetzt ist das Buch auf dem Markt, doch statt Weltruhm und täglichen Berichten in allen (!) wichtigen Medien … nichts, nada, niente! Schlimm genug, dass das Buch in keiner Buchhandlung zu finden ist, aber es gibt auch kaum Rezensionen. Einmal in der Woche wird gegoogelt, und jede neue Rezension führt dazu, dass der hoffnungsvolle Jungautor mit zitternden Fingerchen sofort die Verkaufszahlen auf Amazon aufruft. Denn nach einer positiven Rezension müssen die Bücher doch endlich weggehen wie warme Semmeln, oder?

Antwort: Nein!

Kaum ist das Buch ein paar Monate draußen, ist der hoffnungsvolle Jungautor nicht mehr hoffnungsvoll, sondern frustriert. Er hat meinen Rat aus Teil 1 befolgt und Postkarten drucken lassen, doch die Verkaufszahlen dümpeln immer noch vor sich hin. Die 25 Miniplakate (siehe ebenfalls Teil 1) und die ca. 850 Postkarten (dito, der Autor hat nach 150 verteilten Karten die Lust verloren) verstauben im Regal. Bei Amazon sind nur 17 Exemplare neu zu haben und höchstens zwei auf Lager. Und – besondere Schweinerei! – es gibt sogar schon ein gebrauchtes Exemplar. Ein Stich ins Herz des Autors. (Hier gibt jemand mein Buch weg! Warum hat es ihm nicht gefallen? Wer war das? Ist das womöglich jemand, den ich kenne?)

Der Verlag meldet sich mit unwilligen Kurzantworten oder überhaupt nicht auf drängende E-Mails mit dem Wunsch nach Großplakatierung und Werbeanzeigen. Überhaupt: Warum ist im Spiegel keine Rezension erschienen? Niemand kümmert sich um ihn, und statt des erwarteten literarischen Triumphes  – oder wenigstens einer kleinen Anerkennung in Form von mehreren (vielen) tausend verkauften Büchern – muss sich der hoffnungsvolle Jungautor mit dem Gefühl anfreunden, dass sich offenbar niemand für ihn und für sein Buch interessiert.

Und jetzt kommt der Schock: Das alles ist vollkommen normal, absolut in Ordnung und kein Grund, sich zu grämen. Kein Verlag dieser Erde verkauft absichtlich keine Bücher. Wenn das Buch nicht weggeht, befindet es sich in bester Gesellschaft, denn von 10 veröffentlichten Büchern spielt im Durchschnitt eines seine Kosten ein. Das wissen die Verlage natürlich. Wenn ein Buch schlecht startet, wird sich das im Normalfall nicht mehr ändern. Deshalb hält der Verlag die Kosten niedrig. Ein neuer Autor in einem klassischen Buchverlag bringt meistens erst mit seinem dritten oder vierten Buch Geld ins Haus. Der vormals hoffnungsvolle Jungautor war also hoffentlich so schlau weiterzuschreiben. Im Idealfall ist sein neues Manuskript schon fertig, und dann geht das Spielchen von vorne los.

Also: Wie kann der Jungautor selbst dazu beitragen, die Verkaufszahlen seiner Bücher nachträglich zu steigern? Auf welche Weise kann er mit einfachen Mitteln effektiv und möglichst preisgünstig Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache betreiben?

Hierzu ein paar Merksätze:

1. Wer Erfolg haben will, darf nicht schüchtern sein.
2. PR ist was Gutes und nichts, was einem peinlich sein muss.
3. Es ist schwieriger, nachträglich für Aufmerksamkeit zu sorgen als im Vorfeld einer Veröffentlichung.

Wir lassen das erstmal so stehen und kümmern uns um die harten Fakten, als da sind: kaufmännische Grundlagen, also Kosten-Nutzen-Rechnung.

Warum der Versand von Rezensionsexemplaren an Buchportale sinnlos ist:
Eigentlich eine schöne Idee: Ich schicke mein Buch an einen netten Menschen, der was Nettes darüber schreiben soll. Das Ganze erscheint im Internet auf der Seite Schmuseschmökern mit Gabylein, und dann verkauft sich mein Buch wie geschnitten Brot. (Habe mir übrigens soeben auf WordPress den Blog Schmuseschmökern eingerichtet, Hintergrund selbstverständlich in Pink. Ich erwarte viele Rezensionsexemplare!)

Irrtum Nummer 1: Es werden Bücher verkauft, weil Gabylein über Dein Buch schreibt. 
Von 1000 Leuten, die eine Rezension lesen, kaufen höchstens ein oder zwei das Buch. Gut laufende Blogs haben vielleicht 10.000 Klicks pro Monat, und zwar inklusive aller Beiträge. Neue Beiträge bringen an den ersten beiden Tagen 100 bis 500 Klicks, danach geht’s steil bergab. Nach einer Woche sind wir bei 10 Klicks oder weniger pro Tag für die schöne Rezension angekommen, durch die der hoffnungsvolle Jungautor zusätzlich etwa 3 bis 5 Bücher verkauft hat.  

Aufwand: ein Autorenexemplar seines Buches (30 % Autorenrabatt) + Porto (Büchersendung!), Briefumschlag + Arbeitszeit. Bei einem geschätzten Verkaufspreis von 10 Euro pro Buch müsste er ca. 8 Euro hereinbekommen, um kostenmäßig wenigstens bei Null zu stehen. Hierbei handelt es sich nur um die tatsächlichen Kosten (wie üblich ohne Berechnung der Arbeitszeit). Das entspricht bei einem Honorar von 5 % pro verkauftem Buch (bei 10 Euro = 50 Cent) dem Verkauf von 16 Büchern. Und das ist viel! Zumal diese zusätzlichen 16 Bücher innerhalb einer Woche verkauft werden sollten bzw. bis die nächste Rezension auf dem betreffenden Portal erscheint. Und selbst bei 16 zusätzlich verkauften Büchern hätte der Autor immer noch keinen Cent verdient …

Merke: Rezensionsexemplare verschicken kostet Geld und bringt keins. Wenn Du allerdings scharf bist auf freundliche Buchbesprechungen, dann verschick ruhig weiter Deine Bücher. Aber nur dann – also nicht zum Geldverdienen!

Irrtum Nummer 2: Positive Amazon-Rezensionen sind wichtig. 
Amazon-Rezensionen sind gut, aber sie haben nach meiner Erfahrung keinen direkten Einfluss auf die Verkaufszahlen. Ein Buch, das sich wirklich gut verkauft, hat im Handumdrehen 50 bis 100 Rezensionen auf Amazon. Ein Buch, das sich schlecht verkauft, hat oft deutlich weniger Rezensionen und wird sich auch durch 50 oder 500 positive Rezensionen nicht besser verkaufen. Woran liegt das?

So wichtig Amazon für den Buchmarkt ist: Die meisten Autoren überschätzen die Wirkung von Rezensionen. Denn negative Kritiken führen niemals dazu, dass ein Buch sich schlechter verkauft! Mit Theater- und Filmkritiken ist es ähnlich. Wie haben sich die zahllosen Verrisse zu den großen Publikumshits der letzten Jahre auf die Publikumszahlen ausgewirkt? – Richtig: überhaupt nicht! Die Menschen stehen Schlange für die Til-Schweiger-Filme, auch wenn die Kritik sie in Grund und Boden verdammt. Wenn ein Film, ein Theaterstück, ein Buch geliebt wird, dann ist es vollkommen mumpe, ob die Kritiken gut oder schlecht sind. Und wenn ein Film, ein Theaterstück, ein Buch nicht läuft, dann werden die Kritiken daran nichts ändern. Sie können im Vorfeld für mehr Aufmerksamkeit sorgen, neugierig machen und im besten Fall die Entscheidung für das Produkt erleichtern. Rezensionen sind also lediglich Teil einer Strategie, aber nicht die Strategie selbst. 

Wozu sind Rezensionen dann überhaupt gut? Ganz einfach: Im Vorfeld einer Veröffentlichung helfen positive Kritiken, am besten von angesehenen Rezensenten, um das Buch am Markt zu platzieren und eine günstige Ausgangsposition zu schaffen. Positive Rezensionen sind vor allem dafür da, dass man sie zitieren kann. Das ist z. B. gut für (siehe Teil 1) Plakate, für Postkarten und/oder für Pressemitteilungen, für das eigene Autorenportal im Netz oder für die Facebookseite. 

Und darum geht es dann beim nächsten Mal.
Bis dahin gutes Gelingen und viel Erfolg!


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Bildnachweis:
Fotos: Gabriele Sikorski, alle Rechte bei der Autorin

Filmtipps für Anspruchsvolle

Und hier geht’s mal wieder zu einer meiner Rezensionen auf www.programmkino.de:


http://www.programmkino.de/cms/links.php?id=1846

Originell und witzig …
Viel Spaß im Kino!

Die Schreibstube unterwegs …

Sofort nach dem Eintritt in diesen Luxus-Bombast-Laden, der zum Karstadt-Konzern ungefähr so perfekt passt wie eine Heizdecke zum Straßenpenner, sollte man jeden Gedanken daran aufgeben, dass man hier innerhalb eines angemessenen Zeitrahmens das finden könnte, was man sucht. 
Die zuständigen Center-Spezialisten haben sich irrsinnige Mühe gegeben, neueste Marketingstrategien mit den Erfahrungen aus der Forschung mit Rattenlabyrinthen zu kombinieren. Dagegen ist IKEA mit seinen mittlerweile offen (!!!) kenntlichen Abkürzungen ein Wunder an Kundenfreundlichkeit. So sind hier auch Fahrtreppen Mangelware. Wer den Eingang von der Schlossstraße wählt (verständliche, aber dämliche Idee!), kann sich nach dem Passieren einer Unmenge von Accessoires schließlich bis zur Rolltreppe durchschlagen – wer hätte gedacht, dass es so viele Tücher und Schals gibt, von den Schaltüchern und den Tücherschals ganz abgesehen!

Die Fahrt ins Tiefgeschoss Richtung Lebensmittelabteilung endet dann auch – marketinglogisch fundiert – nicht an der Lebensmittelabteilung, die man in der Ferne nur erahnen kann. Bis man dort angekommen ist, gilt es erstmal Hausrat, Porzellan, Töpfe, Pfannen und weißnichwasnoch zu passieren. Das ist vielleicht was für den „Shopping-Genießer“, von dem man immer wieder liest, den aber niemals jemand kennengelernt hat. Darunter versteht man wohl Menschen, die einfach so in Kaufhäuser gehen, um sich alles anzukucken und die dann mit einem Haufen Krempel, den sie nicht brauchen, nur wenige Minuten später arm, aber glücklich wieder auf die Straße treten. Um es ein für alle Mal zu klären: Ich gehöre nicht zu diesen Menschen. Wenn ich wo einkaufen gehe, dann weiß ich, was ich will. Und ich reagiere sehr empfindsam auf Versuche, mich von dieser Grundeinstellung abzubringen.
Schließlich ist die lotterleere Lebensmittelabteilung dann doch erreicht. Kurzes Aufatmen, das durch intensiven Käsegeruch aus verschiedenen Verkaufstheken gestoppt wird. Offenbar haben die Marketingspezialisten für Berliner, insbesondere Steglitzer, einen starken Drang zu Stinkekäse ermittelt. Auch hier gehöre ich nicht zum Zielpublikum. Spätestens dieser penetrante Brodem hält mich davon ab, vielleicht mal zu schauen, ob sich nicht zusätzlich was Schönes für den Feierabendtisch findet.
Nun zum Zweck des heutigen Besuchs: „Nein, tut mir leid. Frische Kaninchenkeulen haben wir nicht“, entschuldigt sich die freundliche Fachverkäuferin an der Fleischtheke. „Kucken Sie mal nach, ob da noch welche sind“, und sie weist aufs Regal nebenan. Tatsächlich findet sich das Gesuchte. Merkwürdiges Konzept: Käse, dass die Heide wackelt, aber kein frisches Kaninchen?
Fazit: großzügig angelegt, riesige Käseauswahl, wenig Kundschaft, kein Vergleich zum „Perfetto“ am Hermannplatz. Better luck next time? – Erstmal ab zur Kasse und raus!
(veröffentlicht auf QYPE, 15.04.2012)



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