Sprachgeschluder II

Ein kurzer Blick in www.tagesspiegel.de und gleich ein Treffer: „Nachdem Ideen für eine Neunutzung gescheitert waren, ordnete das Ordnungsamt mehrmals die Beseitigung des Wracks an. Doch wer ist zuständig? „Wir liegen seit vier Jahren darüber im Klinsch mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt“, sagt Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne). „


Autsch! Hat hier jemand eine Wette gewonnen? (… eine Pulle Schampus, dass ich diesen Klopper durchkriege …) Oder liegt hier einfach jemand im Clinch mit der Rechtschreibung?


(http://www.tagesspiegel.de/berlin/stadtleben/abgewrackt-die-alten-schiffe-verschwinden-aus-dem-urbanhafen/6002024.html)

So spricht Berlin! – Balinan füa Anfänga (3. Lektion: ick und icke)

Ick und icke
Zur Erinnerung gleich noch einmal die
Berliner Klopsgeschichte
Ick sitze hier und esse Klops.
Uff eema klopp’s.
Ick staune, kieke, wundre mia,
uff eema jehtse uff, de Tüa!
Nanu, denk ick, ick denk: Nanu,
jetzt jeht se uff, erß war se ßu!
Ick jeh maraus und kieke,
und wer steht draußen? … Icke.

Abgesehen davon, dass in diesem kleinen Stückchen Poesie viele typische Eigenarten des Berliner Humors und des Berlinerischen behandelt werden, über die noch zu reden sein wird, ist das Gedicht auch dafür geeignet, sich mit der Verwendung von „ick“ und „icke“ zu beschäftigen.

Ein Berliner würde nämlich niemals sagen: „Icke sitze hier.“ – Aber warum nicht?

Der Grund: Im Berlinerischen werden „ick“ und „icke“ genau so verwendet wie im Französischen das Wort „je“ und „moi“ oder im Englischen „I“ and „me“. In beiden Fällen handelt es sich um das Personalpronomen „ich“. Das Hochdeutsche kennt hier keine Unterscheidung. Wir sagen: „Ich gehe jetzt nach Hause!“, und ebenso: „Wer geht nach Hause? – Ich!“

Es gibt Theorien, wonach diese Unterscheidung dem französischen Einfluss in Berlin zu verdanken ist. Diese Ansicht kann ich nicht unterstützen. Ich (ick) vermute eher, dass wir diese Besonderheit dem Niederdeutschen verdanken, das einen hohen Anteil am Berliner Dialekt ausmacht.

Wer es einfach mag: Verwenden Sie „icke“ in unvollständigen Sätzen oder allein ohne weitere Zusätze. Also beispielsweise als Ausruf und als Frage: „Wea? – Icke?“ oder in dem beliebten Berliner Leidensschrei, den normalerweise auch schon Dreijährige beherrschen: „Imma icke!“

In vollständigen Sätzen wird „ick“ benutzt. Also: „Ick weeß jahnich, wattick will.“ („Ich weiß gar nicht, was ich will.“) oder „Wat haick dir jesacht?“ („Was hab ich dir gesagt?“) oder „Ick und meene Mutta, wia beede jehn jerne schnökan.“ („Ich gehe gern mit meiner Mutter Kuchen essen und Kaffee trinken.“)

Gehobenes oder auch albernes bzw. selbstironisches Berlinerisch ist die absichtliche Vertauschung von Nominativ und Dativ: „Haste wieda nich uffjeräumt?“ – „Wea? Mia?“ statt „Wea? Icke?“

Viel Spaß mit „ick“ und „icke“ wünscht
Icke von umme Ecke

Balinerisch – die Facebookseite

Uff alljemeenen Wunsch ha ick nu exra für alle Fans von dit Balinerische ne eijene Fezbuck-Seite jeschaffen. Dit Ding heeßt „Berlinern – wir wolln unsan Dialekt pflejen“.

Ick freue mir schon uff eure Beitreje.

Eure pfiffje Balinerin
Icke von umme Ecke

Unterwegs mit Akribia Schlau-Meier III

„Das wäre dann genau das Klientel, das wir ansprechen wollen!“, rief der Redner und weckte mich damit unsanft aus dem Halbschlaf, in den er mich schon mit den ersten Worten seines Power Point-Vortrags zum Thema „Online Marketing“ versetzt hatte.

Nein, Burschi!, dachte ich. Da liegst du komplett falsch, denn 1. ist Klientel weiblich, weil abgeleitet von lateinisch „clientela“, und 2. reagiert eben gerade DIE Klientel, die du vermutlich meinst, sehr allergisch auf solche Sprachschlampereien. Ich zum Beispiel.
Warum in aller Welt, im Universum und darüber hinaus wollen gefühlte 87 Prozent aller Marketingexperten unbedingt Fachbegriffe und Fremdwörter verwenden, die sie nicht beherrschen? Da reden sie von Silo-Millejöhs statt von Sinus-Milieus, planen den „Relongsch“ (s. ASM II zum Thema „Lounge“) oder gar den „Rilansch“ und sie wollen Bereiche autsoßen statt outsourcen. Können diese Vollpfosten nicht wenigstens die Vokabeln ihrer eigenen Fachsprache auswendig lernen?
Pass bloß auf, mein Lieber, dachte ich, du bringst dich hier gerade in eine Lose-Lose-Situation …
„Hat jemand noch Fragen dazu?“ – Ich meldete mich.
„In welches Sinusmilieu würden Sie denn am ehesten IHRE Klientel einordnen?“, fragte ich.
Die Antwort kam prompt: „Also, ich würde das Klientel am ehesten in AB 12, konservativ-etabliertes Millejöh bzw. B 1 – liberal intellektuelles Millejöh, intrigieren.“
Treffer, versenkt – und tschüs!
Friedenauer Schreibstube
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