Unterwegs mit Akribia Schlau-Meier III

„Das wäre dann genau das Klientel, das wir ansprechen wollen!“, rief der Redner und weckte mich damit unsanft aus dem Halbschlaf, in den er mich schon mit den ersten Worten seines Power Point-Vortrags zum Thema „Online Marketing“ versetzt hatte.

Nein, Burschi!, dachte ich. Da liegst du komplett falsch, denn 1. ist Klientel weiblich, weil abgeleitet von lateinisch „clientela“, und 2. reagiert eben gerade DIE Klientel, die du vermutlich meinst, sehr allergisch auf solche Sprachschlampereien. Ich zum Beispiel.
Warum in aller Welt, im Universum und darüber hinaus wollen gefühlte 87 Prozent aller Marketingexperten unbedingt Fachbegriffe und Fremdwörter verwenden, die sie nicht beherrschen? Da reden sie von Silo-Millejöhs statt von Sinus-Milieus, planen den „Relongsch“ (s. ASM II zum Thema „Lounge“) oder gar den „Rilansch“ und sie wollen Bereiche autsoßen statt outsourcen. Können diese Vollpfosten nicht wenigstens die Vokabeln ihrer eigenen Fachsprache auswendig lernen?
Pass bloß auf, mein Lieber, dachte ich, du bringst dich hier gerade in eine Lose-Lose-Situation …
„Hat jemand noch Fragen dazu?“ – Ich meldete mich.
„In welches Sinusmilieu würden Sie denn am ehesten IHRE Klientel einordnen?“, fragte ich.
Die Antwort kam prompt: „Also, ich würde das Klientel am ehesten in AB 12, konservativ-etabliertes Millejöh bzw. B 1 – liberal intellektuelles Millejöh, intrigieren.“
Treffer, versenkt – und tschüs!

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