Alle, die schreiben, sollten diese Seite kennen:
http://szenesprachenwiki.de/
Kann ich nur empfehlen – zum Lachen, Staunen, manchmal zum Schreien, aber immer sehr inspirativ!
So spricht Berlin
Heute startet eine besonders spannende Serie. Es geht nämlich um berlinerische Redewendungen und Begriffe. Wer helfen möchte, diese sprachhistorisch und kulturgeschichtlich interessanten Sprachperlen zu erhalten, ist herzlich eingeladen zur Begegnung mit dem alten Berlin!
Unser erster Begriff: „Fisimatenten“
Verwendung/Gebrauch: „Mach keine Fisimatenten!“
Bedeutung: Mach keinen Blödsinn!
Volksetymologisch wird der Begriff aus dem Französischen hergeleitet, von „Visitez ma tente“ (Besuchen Sie mein Zelt“). Das sollen die französischen Soldaten zu den selbstverständlich wunderhübschen Berlinerinnen gesagt haben, als Berlin zu Beginn des 18. Jahrhunderts von den napoleonischen Truppen besetzt war. Die Mütter hätten darauf die Mädchen angewiesen: „Mach bloß keine Fisimatenten!“
Selbst wenn sich diese hübsche Herkunftsgeschichte sprachwissenschaftlich (leider) nicht bestätigen lässt, so ist sie doch typisch für die damalige Zeit und natürlich für die Berlinerinnen – Mütter wie Töchter.
Deutsche Sprache – janz einfach!
So spricht Berlin … Balinan füa alle, wa!
Zu Beginn eine erfreuliche Nachricht: Das Berlinerische ist seit einigen Jahren als so etwas Ähnliches wie ein Dialekt anerkannt! Allerorten kann man lesen, es handle sich dabei um einen so genannten „Metrolekt“, was vermutlich die Tatsache berücksichtigen soll, dass hier ziemlich viel los ist und viele Leute viel reden. Das ist ein Fortschritt. Galt das Berlinerische früher oft als Unart, die es zu bekämpfen galt („Meechen, sprich orntlich, machde ßehne außenanda!“), so hat es heute beinahe schon den Rang einer echten Mundart. Das ist toll. Aber, man muss es leider erwähnen, das Berlinerische wird langsam, aber sicher aussterben, wenn sich niemand um den Erhalt kümmert.
