Neues aus der Texterei



Ich wünsche Friedenau, Berlin und der ganzen übrigen Welt eine schöne Woche. Und ich hab einen Tipp: Amüsiert euch, lasst euch nicht ärgern und macht es wie ich:

Betrachtet einfach alles, was euch begegnet mit Gelassenheit und Neugier. Falls das mal nicht möglich ist, dann lacht euch wenigstens kaputt … über euch selbst!




Sprachschludereien

Gastronomie – Restaurant xxx

Das Restaurant xxx befindet sich auf der 1. Etage des xxx und genießt durch seine Lage einen grandiosen Blick auf die Spree und Friedrichstraße.

Frühstück:
Besondere Beachtung verdient das umfangreiche Frühstücksbuffet mit Show-Küche für Ihre persönlichen Wünsche an Eierspeisen.

Mittags:
Zur Mittagszeit bietet das Restaurant unter der Woche einen hochwertigen Businesslunch sowie eine gemütliche Kaffee- und Teezeit mit erstklassigen Kuchen und Torten aus der eigenen Pâtisserie.

Abends:
Abends genießt man nicht nur den herrlichen Blick auf die beleuchtete und belebte Friedrichstraße sondern auch die Küche biete eine ganz besondere Auswahl an regionalen und internationalen Speisen.

Kaum zu glauben: Dies ist tatsächlich der Werbetext eines ziemlich anspruchsvollen Hotels in Berlin-Mitte! Hier wäre ein Lektorat durchaus hilfreich gewesen. Wenn es nicht so schrecklich wäre, könnte man sich drüber amüsieren! Besonders über die persönlichen Wünsche an Eierspeisen.

Das alte Thema: DASS oder DAS?

Die deutsche Sprache hält für ihre Fans viele Herausforderungen bereit – aber die größte von allen scheint die Frage zu sein, ob man DASS oder DAS schreibt. Selbst Profischreiber haben damit Probleme. Ich kenne Journalisten, die mit Trefferquoten unter 25 Prozent arbeiten. Dabei lässt sich diese Frage nicht nur logisch, sondern auch ziemlich kurz beantworten. Hier die ultimative Erklärung:

Das kleine Wörtchen DAS ist von der Wortart her
1. ein bestimmter Artikel – Beispiel: das Haus 
2. ein Demonstrativpronomen – Beispiel: Das ist toll!
3. ein Relativpronomen – Beispiel: Ein Kind, das lacht, freut sich.

Für alle diese Wortarten gilt: Sie haben irgendetwas mit Substantiven (oder Nomen oder Hauptwörtern oder Dingwörtern) zu tun. Deshalb kann man statt DAS auch dies(es), jenes oder welches einsetzen:

Beispiel: 
das Haus – dieses Haus
Das ist toll! – Dies ist toll!
Ein Kind, das lacht, freut sich. – Ein Kind, welches lacht, freut sich.

Man ersetzt also Artikel bzw. Pronomen durch ein anderes Pronomen. Wenn man NICHT dieses, jenes oder welches einsetzen kann, muss DASS mit „ss“ geschrieben werden.
Denn: DASS ist eine Konjunktion – ein Bindewort. Es verbindet einen Hauptsatz mit einem Nebensatz.

Beispiel: Ich bin sicher, dass Sie diese Regeln kapieren. 
„Ich bin sicher“ ist der Hauptsatz, „dass Sie diese Regeln kapieren“ ist der Nebensatz. 

DASS kann man nicht durch dieses, jenes oder welches ersetzen. DASS ist nämlich eine ganz andere Wortart als DAS. Wenn man sich das klarmacht, dann muss man nur noch prüfen, ob man dieses, jenes oder welches einsetzen kann. Und schon wird alles ganz einfach: Dieses, jenes oder welches = das.

Und dass Sie das im Nullkommnix verstehen würden, das hab ich schon vorher gewusst!


Neues aus der Texterei – Tag der deutschen Sprache 2012

Heute ist Tag der deutschen Sprache – eine gute Gelegenheit, mal mit ein paar Missverständnissen aufzuräumen, die mir als Lektorin im Gespräch mit schreibenden Menschen immer wieder begegnen:

1. Missverständnis: Die deutsche Sprache, das sind Goethe und Schiller! Danach kamen nur noch Nichtskönner – einzige Ausnahme evtl. Thomas Mann.
Dieses Argument kommt meistens von Leuten, die entweder noch nie oder in den letzten 60 Jahren nicht mehr Goethe und Schiller gelesen haben. Merkwürdigerweise lehnen es manche rundweg ab, moderne Autoren (seit ca. 1900) überhaupt zu lesen. Mir begegnen sogar immer mehr Menschen, die schreiben wollen und generell nicht lesen. 

Schrecklich! Merke: Wer erfolgreich schreiben will, muss das Lesen lieben, den Literaturmarkt beobachten, sich mit der Konkurrenz beschäftigen und in der Lage sein, Qualität bei anderen zu erkennen.

2. Missverständnis: Die deutsche Sprache verarmt.
Kann ich so nicht unterschreiben. Welche deutsche Sprache will man hier zur Grundlage nehmen? Die des 18. Jahrhunderts (s.o)? Seitdem hat sich unsere Sprache stark verändert – fürwahr! Aber Veränderung heißt nicht Verarmung, und tatsächlich sind in den letzten Jahrhunderten und Jahrzehnten viel mehr neue Wörter in die deutsche Sprache hereingekommen als verschwunden. Unser theoretisch möglicher Wortschatz wird also ständig größer, und wir können durch unser Sprachverhalten selbst dazu beitragen, dass Wörter bekannt bleiben, oder wir können bestimmte Wörter dem Vergessen entreißen, indem wir sie weiter verwenden. Wer kennt heute noch Begriffe wie Tornister, Hagestolz oder blümerant?

3. Missverständnis: Ich muss kompliziert formulieren, damit die Leser sehen, wie gut ich die Sprache beherrsche. Das nennt man dann einen guten Stil. 
Nicht nur bei Autoren, sondern auch in Schule und Universität beliebte Argumentation, um schwer verdauliche Texte zu rechtfertigen. Ganz übel! Wer seine Sprache beherrscht, ist auch in der Lage, sich einfach, klar und verständlich auszudrücken. Und ein eigener Stil entwickelt sich durch ständiges Nachdenken und Schreiben, nicht durch die Verwendung von Schachtelsätzen. Will ich angeben oder will ich verstanden werden?

4. Missverständnis: Das Wichtigste für die deutsche Sprache sind korrekte Rechtschreibung und Grammatik.
Nein! Das Wichtigste ist der Inhalt und das, was ich ausdrücken möchte. Rechtschreibung und Grammatik sind Handwerksmittel, die es erleichtern, Inhalte zu vermitteln. Das wird oft vergessen, so dass Grammatik und Rechtschreibung – nicht nur im Deutschunterricht – zum Selbstzweck werden. Besonders unerfahrene Autoren neigen dazu. Es nützt nichts, wenn ich einwandfrei formulieren und fehlerfrei schreiben kann. Auf den Inhalt kommt es an! Fehler lassen sich korrigieren, wenn die Geschichte stimmt. Aber die Aneinanderreihung korrekt geschriebener Wörter ergibt noch lange keine Geschichte. 

Wer sich wirklich aktiv für die Pflege der deutschen Sprache einsetzen möchte, sollte mehr lesen, mehr schreiben, mehr zuhören und mehr sprechen. Denn die beste Werbung für unsere Sprache sind – wir!

Friedenauer Schreibstube
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.