Sprachgeschluder VI

Heute: Das BlaBlaMeter
Eine schöne Idee zur Verhinderung von Sprachschludereien und Schreibdummfug – endlich kann man selbst erkennen, wie viel Blödsinn in einem Text steckt. Auch mal Lektor spielen? 
Na gut, dann wollen wir mal nicht so sein …

Auf dieser Seite  
http://www.blablameter.de/ findet man ein Textfeld, in das man einen beliebigen Text hineinkopieren kann und – ruppeldizupf – wird der Bullshit-Index ausgerechnet.

Ich würde diese Seite natürlich nicht empfehlen, wenn ich sie nicht ausprobiert hätte. Nachdem ich mehrere Filmkritiken aus den letzten Monaten eingegeben habe, kann ich erleichtert sagen: Puuh! Bullshit-Index bei durchschnittlich 0,7 (in Worten: null Komma sieben). Das hört sich ziemlich gut an.

Also: einfach mal ausprobieren! 

Schreibtipps aus der Schreibstube

Als Lektorin und Dozentin erlebe ich immer wieder, dass Menschen der Rechtschreibprüfung in MS-Word blind vertrauen. Kleiner Tipp: keine gute Idee! Die Fehlerquote ist zu hoch. „Macht nix, kein Problem“, rief letzte Woche eine Kursteilnehmerin. „Denn schließlich gibt’s die kostenlosen Rechtschreibprüfungen im Internet, zum Beispiel auf der Duden-Seite.“

Schon wieder keine gute Idee. Auch hier (http://www.duden.de/rechtschreibpruefung-online) werden viele Fehler nicht erkannt. Oder es werden Fehler angestrichen, die keine sind.
Die kostenlose automatische Rechtschreibprüfung auf der Duden-Homepage dient gleichzeitig als Werbung für die Duden-Korrektur-Software. Vielleicht gibt es deshalb keinen Hinweis darauf, dass diese Prüfung nicht verlässlich ist bzw. sein kann. Denn: Viele Fehler können von einer automatischen Rechtschreibprüfung gar nicht erkannt werden.
Da ist z. B. die Schreibweise von Eigennamen – für Eigennamen gelten aber keine Rechtschreibregeln. Hier muss man höllisch aufpassen, denn ein falsch geschriebener Name gilt als „no go“ im Schriftverkehr. Kommafehler werden ebenfalls meist nicht erkannt. Stattdessen wird, wenn überhaupt, ein Nebensatz als Grammatikfehler markiert. Wenn ein Wort in Groß- und Kleinschreibung oder einzeln und in Zusammenschreibung existiert, kann ein Fehler ebenfalls nicht erkannt werden (Liebe und liebe, Kinder Garten). Spätestens sobald sich der Sinn und damit die Schreibweise eines Textes erst aus dem Zusammenhang ergibt, unterliegt das elektronische Gehirn dem menschlichen. Probieren Sie es mal aus und geben Sie den folgenden Text in einer x-beliebigen Rechtschreibprüfung ein: Meine Onkel hat sich ohne das wir es ahnten plötzlich verlobt.
Hier wird in der Duden-Rechtschreibprüfung lediglich das „wir“ als Grammatikfehler markiert, obwohl der Satz mehrere Fehler enthält. Ein Ergebnis, das zu denken gibt, nicht nur wegen der Heimlichtuerei des Onkels. – Die korrekte Schreibweise: Mein Onkel hat sich, ohne dass wir es ahnten, plötzlich verlobt.
Verantwortlich für dieses und andere Korrekturdesaster ist vor allem die Komplexität der deutschen Sprache. Nichts gegen die kostenlosen Angebote – denn ganz klar ist eine schlechte Rechtschreibprüfung im PC immer noch besser als gar keine – allerdings sollte man wissen, dass das Ergebnis nicht unbedingt ein fehlerfreier Text ist! Wer wirklich auf Nummer sicher gehen will, lässt seinen Text professionell Korrektur lesen. Das wird nach Aufwand bezahlt – je mehr Fehler und je mehr Text, desto höher die Kosten. Deshalb muss man meistens für den Kostenvoranschlag ein paar Probeseiten verschicken. Für alle, denen das zu teuer ist, habe ich einen kostenlosen Tipp: einfach kürzere Texte schreiben, am besten ohne Fehler!

Sprachgeschluder III

Fundsache:
 „Heidi Klum hat 15 kg abgenommen.
Lose ein wenig Körperfett jeden Tag, indem Sie diese überraschende Gewichtsverlust Spitze.“
(gesponserte Anzeige in Facebook)

Aha! Mal ganz abgesehen davon, dass Heidi Klum vermutlich nicht mal 15 Kilo zunähme, wenn sie Drillingen das Leben schenken wollte: Wie doof muss man eigentlich sein, um diesen sprachlichen Müll ernst zu nehmen? (angeblich 3.865 likes). Und selbst wenn hier mal wieder der automatische Übersetzer am Werk war – würde eine seriöse Firma auf diese Weise für sich werben?

Unterwegs mit Akribia Schlau-Meier III

„Das wäre dann genau das Klientel, das wir ansprechen wollen!“, rief der Redner und weckte mich damit unsanft aus dem Halbschlaf, in den er mich schon mit den ersten Worten seines Power Point-Vortrags zum Thema „Online Marketing“ versetzt hatte.

Nein, Burschi!, dachte ich. Da liegst du komplett falsch, denn 1. ist Klientel weiblich, weil abgeleitet von lateinisch „clientela“, und 2. reagiert eben gerade DIE Klientel, die du vermutlich meinst, sehr allergisch auf solche Sprachschlampereien. Ich zum Beispiel.
Warum in aller Welt, im Universum und darüber hinaus wollen gefühlte 87 Prozent aller Marketingexperten unbedingt Fachbegriffe und Fremdwörter verwenden, die sie nicht beherrschen? Da reden sie von Silo-Millejöhs statt von Sinus-Milieus, planen den „Relongsch“ (s. ASM II zum Thema „Lounge“) oder gar den „Rilansch“ und sie wollen Bereiche autsoßen statt outsourcen. Können diese Vollpfosten nicht wenigstens die Vokabeln ihrer eigenen Fachsprache auswendig lernen?
Pass bloß auf, mein Lieber, dachte ich, du bringst dich hier gerade in eine Lose-Lose-Situation …
„Hat jemand noch Fragen dazu?“ – Ich meldete mich.
„In welches Sinusmilieu würden Sie denn am ehesten IHRE Klientel einordnen?“, fragte ich.
Die Antwort kam prompt: „Also, ich würde das Klientel am ehesten in AB 12, konservativ-etabliertes Millejöh bzw. B 1 – liberal intellektuelles Millejöh, intrigieren.“
Treffer, versenkt – und tschüs!