Neues aus der Texterei

Meine Adjektive und ich – Schreibtipps für Schreibende
Menschen, die mit dem Schreiben anfangen – vom Kind über die Studentin bis zum Jungautor – glauben häufig, dass sich ein gelungener Text vor allem durch die großzügige Verwendung von Adjektiven (Eigenschaftswörtern) auszeichnet. Ich erinnere mich, dass meine diversen Deutschlehrerinnen stets erfreut, manchmal geradezu euphorisch darauf reagierten, wenn ich ein Substantiv (Hauptwort, Nomen) gleich mit zwei Adjektiven kombinierte. Da wurde aus dem Sommertag ein schöner, warmer Sommertag, was ja eigentlich nichts besonderes ist, und eine Katastrophe war schrecklich und unvorhergesehen – also im Grunde eine ganz und gar normale Katastrophe, so wie sie jeden Tag hundert- oder tausendfach über uns hereinbricht. „Die liebe, alte Großmutter ging mit ihrer braven, kleinen Enkeltochter durch den großen, grünen Wald.“ – Gähn! Da sehnt man doch die unvorhergesehene und schreckliche Katastrophe nahezu herbei! Dieses Phänomen der übertriebenen Verwendung von Eigenschaftswörtern bezeichnen wir in Fachkreisen als „Adjektivitis“. 

Nun spricht natürlich nichts gegen Adjektive. Man sollte sie allerdings sparsam und gezielt einsetzen. Adjektive, die nur dazu dienen, etwas Alltägliches auf alltägliche Weise zu beschreiben, kann und sollte man weglassen oder zumindest darüber nachdenken, ob sie wirklich notwendig sind. Einige Beispiele für diese floskelhafte Sprache: die breite Öffentlichkeit, die warme Sonne, das kleine Häuschen, das niedliche Kätzchen … 

Beim Schreiben sollte es unser Ziel sein, das Besondere zu beschreiben und nicht das Gewöhnliche. Also sind vor allem treffende Adjektive gefragt, auch wenn es vielleicht etwas länger dauert, bis man das passende Wort gefunden hat. In der Zusammenarbeit mit Autorinnen und Autoren, die unter schwerer Adjektivitis leiden, gehe ich manchmal so weit, dass ich ihnen untersage, folgende Adjektive zu benutzen: groß, klein, schön, neu, alt, viel, wenig – je nachdem, welche Wörter auffällig häufig bzw. inflationär in ihren Texten auftreten. 

Hier kann neben einem Synonymwörterbuch die Tastenkombination shift/F7 wertvolle Dienste beim Schreiben am PC leisten: Sie führt zum Thesaurus, dem eingebauten Synonymwörterbuch in Word. Einfach ein Wort markieren, shift/F7 drücken, und schon öffnet sich ein Fenster mit Synonymen. „shift“ ist übrigens die Taste für die Großschreibung …

Also: viel Spaß beim Überarbeiten!




Schreibcafé und Kulturstammtisch!

Am Montag, 1. Oktober findet wieder unser Kulturstammtisch im Restaurant FreiRaum statt. Hier treffen sich Kulturfans, Kreative und Kunstschaffende aller Richtungen zum lockeren Gespräch in angenehmer Runde über Tipps, Events, Projekte und Ideen rund ums Berliner und Brandenburger Kulturleben. Eintritt frei – alle Gäste sind herzlich willkommen! Selbstverständlich kann man Visitenkarten und Flyer mitbringen, um eigene Kunstprojekte vorzustellen.

Vor dem Kulturstammtisch gibt es das Schreibcafé: Textambulanz und Manuskript-Kurzberatung für alle, die schreiben müssen oder möchten – von der Bewerbung über den Flyertext bis zum Behördenbrief. (Kostenbeitrag: 5 Euro je Text und Kurzberatung, kleiner Softdrink inklusive)

Weitere Informationen unter: sikorski@kulturspirale.de oder 030 33 77 28 32.

Hier die genauen Infos:

Montag, 1. Oktober 2012
ab 17:00 Uhr: Schreibcafé
ab 19:00 Uhr: Kulturstammtisch
Restaurant FreiRaum
Beckerstraße 12 in 12157 Berlin-Friedenau

Neues aus der Texterei – Tag der deutschen Sprache 2012

Heute ist Tag der deutschen Sprache – eine gute Gelegenheit, mal mit ein paar Missverständnissen aufzuräumen, die mir als Lektorin im Gespräch mit schreibenden Menschen immer wieder begegnen:

1. Missverständnis: Die deutsche Sprache, das sind Goethe und Schiller! Danach kamen nur noch Nichtskönner – einzige Ausnahme evtl. Thomas Mann.
Dieses Argument kommt meistens von Leuten, die entweder noch nie oder in den letzten 60 Jahren nicht mehr Goethe und Schiller gelesen haben. Merkwürdigerweise lehnen es manche rundweg ab, moderne Autoren (seit ca. 1900) überhaupt zu lesen. Mir begegnen sogar immer mehr Menschen, die schreiben wollen und generell nicht lesen. 

Schrecklich! Merke: Wer erfolgreich schreiben will, muss das Lesen lieben, den Literaturmarkt beobachten, sich mit der Konkurrenz beschäftigen und in der Lage sein, Qualität bei anderen zu erkennen.

2. Missverständnis: Die deutsche Sprache verarmt.
Kann ich so nicht unterschreiben. Welche deutsche Sprache will man hier zur Grundlage nehmen? Die des 18. Jahrhunderts (s.o)? Seitdem hat sich unsere Sprache stark verändert – fürwahr! Aber Veränderung heißt nicht Verarmung, und tatsächlich sind in den letzten Jahrhunderten und Jahrzehnten viel mehr neue Wörter in die deutsche Sprache hereingekommen als verschwunden. Unser theoretisch möglicher Wortschatz wird also ständig größer, und wir können durch unser Sprachverhalten selbst dazu beitragen, dass Wörter bekannt bleiben, oder wir können bestimmte Wörter dem Vergessen entreißen, indem wir sie weiter verwenden. Wer kennt heute noch Begriffe wie Tornister, Hagestolz oder blümerant?

3. Missverständnis: Ich muss kompliziert formulieren, damit die Leser sehen, wie gut ich die Sprache beherrsche. Das nennt man dann einen guten Stil. 
Nicht nur bei Autoren, sondern auch in Schule und Universität beliebte Argumentation, um schwer verdauliche Texte zu rechtfertigen. Ganz übel! Wer seine Sprache beherrscht, ist auch in der Lage, sich einfach, klar und verständlich auszudrücken. Und ein eigener Stil entwickelt sich durch ständiges Nachdenken und Schreiben, nicht durch die Verwendung von Schachtelsätzen. Will ich angeben oder will ich verstanden werden?

4. Missverständnis: Das Wichtigste für die deutsche Sprache sind korrekte Rechtschreibung und Grammatik.
Nein! Das Wichtigste ist der Inhalt und das, was ich ausdrücken möchte. Rechtschreibung und Grammatik sind Handwerksmittel, die es erleichtern, Inhalte zu vermitteln. Das wird oft vergessen, so dass Grammatik und Rechtschreibung – nicht nur im Deutschunterricht – zum Selbstzweck werden. Besonders unerfahrene Autoren neigen dazu. Es nützt nichts, wenn ich einwandfrei formulieren und fehlerfrei schreiben kann. Auf den Inhalt kommt es an! Fehler lassen sich korrigieren, wenn die Geschichte stimmt. Aber die Aneinanderreihung korrekt geschriebener Wörter ergibt noch lange keine Geschichte. 

Wer sich wirklich aktiv für die Pflege der deutschen Sprache einsetzen möchte, sollte mehr lesen, mehr schreiben, mehr zuhören und mehr sprechen. Denn die beste Werbung für unsere Sprache sind – wir!

Schreibtipps aus der Schreibstube

Online-Wörterbücher für Szenesprachen/Jugendsprache
Für alle, die mit dem Lesen oder Schreiben zu tun haben, die Deutsch unterrichten oder sich einfach auf dem Laufenden halten wollen – meine persönliche Hitliste:

Platz 1: 
http://szenesprachenwiki.de/words/verzeichnis/?o=l&f=
Liebevoll gestaltet – es macht Spaß, die kleinen Texte zu lesen. Super: umfangreiche Sammlung, die ständig ergänzt wird. Das Projekt von Duden Verlag und TrendBüro dient dazu, die Neuauflage des Buches vorzubereiten, das 2009 unter dem Titel „Neues Wörterbuch der Szenesprachen“ erschienen ist. Hier kann man also selbst mitarbeiten! Der Ferrari unter den online-Jugendsprache-Wörterbüchern! 1a, megacool, endlaser, unfassbar töfte!

Platz 2: 
http://www.fremdwort.de/jugendsprache/jugendsprache-a.php
Als Unterabteilung des kostenlosen Online-Fremdwörterbuchs findet sich hier die Jugendsprache zwischen anderen Fremdwörterverzeichnissen. Ein Portal, das optisch nicht viel bietet und trotzdem informativ ist. Die Erklärungen sind kurz, trocken – wie in einem normalen Lexikon. Die Sparvariante für zielbewusste Leser: nützlich, aber uncool!

Platz 3: 
http://www.goethe.de/Z/jetzt/dejwort/dejwort.htm
Wie alles vom Goethe Institut kompetent und seriös: kleines alphabetisches Verzeichnis (sehr gemäßigter) Jugendsprache zusammen mit umgangssprachlichen Begriffen. Gut: die Beispiele! Geeignet für alle, die Deutsch lernen, DaF lehren und einen Einstieg in die Umgangssprache suchen. Minus: Das Wörterbuch beruht auf bestimmten Texten. Deshalb finden sich hier auch Begriffe, die weder zur Jugendsprache noch zur Umgangssprache gehören. Das irritiert etwas. Insgesamt aber guter Einstieg für Deutschlernende!
 

Und wer sich nur mal kurz aufschlauen will – hier ist der Link zu einem echt krassen Quiz: 
http://www.zeit.de/online/2009/26/quiz-szenesprachen
Viel Spaß!




Sprachgeschluder VI

Heute: Das BlaBlaMeter
Eine schöne Idee zur Verhinderung von Sprachschludereien und Schreibdummfug – endlich kann man selbst erkennen, wie viel Blödsinn in einem Text steckt. Auch mal Lektor spielen? 
Na gut, dann wollen wir mal nicht so sein …

Auf dieser Seite  
http://www.blablameter.de/ findet man ein Textfeld, in das man einen beliebigen Text hineinkopieren kann und – ruppeldizupf – wird der Bullshit-Index ausgerechnet.

Ich würde diese Seite natürlich nicht empfehlen, wenn ich sie nicht ausprobiert hätte. Nachdem ich mehrere Filmkritiken aus den letzten Monaten eingegeben habe, kann ich erleichtert sagen: Puuh! Bullshit-Index bei durchschnittlich 0,7 (in Worten: null Komma sieben). Das hört sich ziemlich gut an.

Also: einfach mal ausprobieren! 

Schreibtipps aus der Schreibstube

Als Lektorin und Dozentin erlebe ich immer wieder, dass Menschen der Rechtschreibprüfung in MS-Word blind vertrauen. Kleiner Tipp: keine gute Idee! Die Fehlerquote ist zu hoch. „Macht nix, kein Problem“, rief letzte Woche eine Kursteilnehmerin. „Denn schließlich gibt’s die kostenlosen Rechtschreibprüfungen im Internet, zum Beispiel auf der Duden-Seite.“

Schon wieder keine gute Idee. Auch hier (http://www.duden.de/rechtschreibpruefung-online) werden viele Fehler nicht erkannt. Oder es werden Fehler angestrichen, die keine sind.
Die kostenlose automatische Rechtschreibprüfung auf der Duden-Homepage dient gleichzeitig als Werbung für die Duden-Korrektur-Software. Vielleicht gibt es deshalb keinen Hinweis darauf, dass diese Prüfung nicht verlässlich ist bzw. sein kann. Denn: Viele Fehler können von einer automatischen Rechtschreibprüfung gar nicht erkannt werden.
Da ist z. B. die Schreibweise von Eigennamen – für Eigennamen gelten aber keine Rechtschreibregeln. Hier muss man höllisch aufpassen, denn ein falsch geschriebener Name gilt als „no go“ im Schriftverkehr. Kommafehler werden ebenfalls meist nicht erkannt. Stattdessen wird, wenn überhaupt, ein Nebensatz als Grammatikfehler markiert. Wenn ein Wort in Groß- und Kleinschreibung oder einzeln und in Zusammenschreibung existiert, kann ein Fehler ebenfalls nicht erkannt werden (Liebe und liebe, Kinder Garten). Spätestens sobald sich der Sinn und damit die Schreibweise eines Textes erst aus dem Zusammenhang ergibt, unterliegt das elektronische Gehirn dem menschlichen. Probieren Sie es mal aus und geben Sie den folgenden Text in einer x-beliebigen Rechtschreibprüfung ein: Meine Onkel hat sich ohne das wir es ahnten plötzlich verlobt.
Hier wird in der Duden-Rechtschreibprüfung lediglich das „wir“ als Grammatikfehler markiert, obwohl der Satz mehrere Fehler enthält. Ein Ergebnis, das zu denken gibt, nicht nur wegen der Heimlichtuerei des Onkels. – Die korrekte Schreibweise: Mein Onkel hat sich, ohne dass wir es ahnten, plötzlich verlobt.
Verantwortlich für dieses und andere Korrekturdesaster ist vor allem die Komplexität der deutschen Sprache. Nichts gegen die kostenlosen Angebote – denn ganz klar ist eine schlechte Rechtschreibprüfung im PC immer noch besser als gar keine – allerdings sollte man wissen, dass das Ergebnis nicht unbedingt ein fehlerfreier Text ist! Wer wirklich auf Nummer sicher gehen will, lässt seinen Text professionell Korrektur lesen. Das wird nach Aufwand bezahlt – je mehr Fehler und je mehr Text, desto höher die Kosten. Deshalb muss man meistens für den Kostenvoranschlag ein paar Probeseiten verschicken. Für alle, denen das zu teuer ist, habe ich einen kostenlosen Tipp: einfach kürzere Texte schreiben, am besten ohne Fehler!

Friedenauer Autorenstammtisch am 1. Februar 2012

Für alle, die Literatur selbst produzieren oder zumindest mit Begeisterung konsumieren, gibt es in Berlin einen Treffpunkt: An jedem ersten Mittwoch im Monat findet ab 17.00 Uhr der Friedenauer Autorenstammtisch statt, und zwar im „Hell oder Dunkel“, Laubacher Straße 28 in 14197 Berlin, Nähe Bundesplatz.

Dort können Menschen, die sich fürs Lesen und/oder fürs Schreiben interessieren, in lockerer Runde über Tipps, News und Informationen aus der Welt der Literatur sprechen. Zu jedem Treffen ist ein Experte geladen, der über ein besonderes Thema spricht und natürlich auch Fragen dazu beantwortet. Diesmal wird der Autor und Verleger Chris Kurbjuhn zum Thema „E-Books“ berichten.

Eine Anmeldung ist nicht notwendig, aber willkommen! Weitere Informationen unter info(at)kulturspirale.de oder telefonisch: 030 33 77 28 32.