Sprachgeschluder

Aus einer Werbemail:
„In erlaubender Atmosphäre erwarten Sie: 
9 spannende Themen zum Entdecken und Ausprobieren.
Interessante Frauen, die Ihnen Mut für neue Wege vermitteln.
Bereichernde Kontakte unter Frauen mit viel Spaß und Leichtigkeit.
Wir freuen uns auf Sie und wünschen Ihnen eine gute Zeit!“

Hier gehöre ich offenbar nicht zur Zielgruppe. Ich hab überhaupt keine Lust, dabei zu sein. Um es ganz klar zu sagen: Es schüttelt mich bei dem Gedanken an Spaß und Leichtigkeit in erlaubender Atmosphäre. Ich werde diese Sprache vermutlich „Frauendeutsch“ nennen – eine Mischung aus Psychologensprache, Coachingbegrifflichkeiten und scheinsensiblem Gezirpe.

Neues aus der Texterei

Doofdeutsch im Kommen?
Seit Neuestem häufen sich wieder inhaltslose Formulierungen, auch Floskeln genannt, in Bei- und Vorträgen, Artikeln, Skripten, Berichten und Buchmanuskripten, die im Lektoratsbüro landen. Und dabei hatte ich gehofft, im Zeitalter elektronischer Medien hätte endlich auch der größte Depp/die größte Deppin gelernt, dass sich niemand mehr mit sinnlosem Gequalle abgeben will. So kann man sich irren! 

Hier eine kleine Auswahl der beliebtesten Doofdeutsch-Formulierungen:

„Ich bin ganz bei Ihnen.“ (Haha, das glaub ich nicht!)

„Wir holen den Kunden ab, wo er steht.“ (Menno, seit den 90ern ausgelutscht, wo denn sonst?)

„Wir brauchen eine Win-win-Strategie.“ (Wird meist falsch verwendet, nämlich nicht – wie ursprünglich gemeint – zur Konfliktlösung, sondern als eine Art Doppelsieg: Man gewinnt zweimal, und die anderen sind Neese!)

„Sorgfältiger Umgang mit Ressourcen betrachtet nicht nur wirtschaftliche Aspekte …“ (Ach, jetzt kann er kieken, der Umgang?)

„Es wurde explorativ vorgegangen.“ (Übersetzung: Wir haben einfach mal irgendwas gemacht und abgewartet, was passiert.)

„Wir bewegen es in unserem Herzen …“ 
(Übersetzung: Es interessiert uns nicht für 2,5 Cent, wir machen sowieso, was wir wollen.)


„Eine abschließende Bewertung ist aufgrund der Faktenlage nicht möglich.“ 
(Übersetzung: Wir haben keine Ahnung, was das alles bedeutet.)

Die Sammlung wird fortgesetzt – weitere Beiträge sind erwünscht!

Hier übrigens ein schöner Floskelgenerator: 




Neues aus der Texterei

Leider wurde diese Suchanzeige einer Berliner WG inzwischen gelöscht. Schade – ich hätte mich gern gemeldet, um wenigstens einmal in der WohnKüche rumzusitzen. Aber bestimmt treffen wir uns mal auf einer politisch-kritischen Veranstaltung oder beim Nachdenken!

„Wir verorten uns anarchistisch / linksradikal / (pro) queer-feministisch / anti-patriarchal und leben vegan. Auf struktureller Ebene sind wir alle unterschiedlich positioniert, d.h wir profitieren bzw. sind negativ von verschiedenen MachtStrukturen betroffen: hier wohnen sowohl weiblich als auch männlich erstsozialisierte Personen, einige haben einen Mittelklassebackground und andere haben Klassenwechsel erlebt. Eine Person ist negativ von Rassismus betroffen und die anderen drei sind weiß positioniert. Wir setzen uns alltäglich auseinander u.a mit Themen wie Privilegien, Support, Awareness, sensibles Miteinander, Gender – (queer) Feminismen, weißSein, Rassismus, Adultismus, Gewaltfreie Kommunikation etc. Jede_r von uns ist jeweils verschieden weit in den Themen drin und steckt in unterschiedlichen Prozessen.
Wir machen mind. 1 pro Woche einen WG-Abend/Plenum, bei dem wir uns Zeit nehmen emotionale, soziale, organisatorische und andere präsente Themen zu besprechen. Wir versuchen mitfühlend und bedürfnisorientiert miteinander umzugehen. Wir sitzen öfter in der WohnKüche rum, redend, kochend, essend und gehen öfter zu politisch-kritischen Veranstaltungen, denken über Aktionen und Interventionsmöglichkeiten nach.“

Leute, ihr wisst echt, wie man sich amüsiert!


Sprachgeschluder VII

Facebook verwöhnt mich wieder mit personalisierter Werbung und einer besonders gelungenen Überschrift neben dem Heidi-Klum-Foto: 
‚Hauen 9 kg, in 14 Tag‘ 
Aha.
Liebe Leute, wenn ihr schon angeblich auf mich zugeschnittene Angebote ins Netz stellen wollt, dann müsstet ihr doch auch wissen, dass ich nicht nur ein großer Fan der deutschen Sprache, sondern auch unerbittlich pingelig bin, was den Umgang mit Rechtschreibung, Zeichensetzung, Syntax und Grammatik betrifft. Alles andere ist für mich unseriös. Und nebenbei, also echt mal: 9 Kilo in 14 Tagen … wie doof muss man sein, um das zu glauben!

Sprachgeschluder IV

Soeben im Werbespot gehört: „Fleisch anbraten – immer wieder eine Herausforderung!“

Hä? Bitte, wie?
Was kommt als nächstes? „Wasser kochen – das letzte ungelöste Problem der Menschheit?“