Neue Rechtschreibung? – Kein Problem!

Viele tun sich immer noch schwer mit der neuen Rechtschreibung, es gibt unzählige Gerüchte und dämliche Sprüche, zum Beispiel: „Jeder kann jetzt schreiben, wie er will!“, und wie es in Deutschland offenbar zum guten Ton gehört, wird erstmal gejammert, gemault und angeklagt, bevor man sich mit dem unbequemen Thema überhaupt auseinandersetzt. Und das, obwohl die Änderungen seit 1996 existieren!

Aber das nützt ja nun alles nichts, denn zwei Fakten stehen fest:
1. Die neue Rechtschreibung ist verbindlich.
2. Alle, die beruflich schreiben, müssen die Rechtschreibung beachten.
Ich gehöre selbst zu denen, die seinerzeit die Änderungen ablehnten, und ich habe damals die volle Ladung abbekommen. Denn in einem der ersten Schullesebücher in neuer Rechtschreibung erschien eine meiner Geschichten. Hervorquellenden Auges musste ich meinen schönen Text gekürzt, verstümmelt und auch noch in „Neuschreib“ lesen! Selbstverständlich habe ich mich damals nicht mit den Änderungen befasst. Alle wussten ja: Die neue Rechtschreibung ist schlecht, unlogisch und nicht praktikabel. Wozu sollte man sich damit noch auseinandersetzen?
Leider ist es bei vielen, unglückseligerweise auch bei Lehrerinnen und Lehrern, dabei geblieben. Die innere Abneigung muss sich natürlich auf Kinder und Jugendliche auswirken. Aber damit nicht genug: Ich kenne Deutschlehrer, die die neuen Kommaregeln nicht begriffen haben, ich habe Dozentenkollegen, die es rundweg ablehnen, sich nach der neuen Rechtschreibung zu richten, das Internet wimmelt von Fehlern auf Profiportalen, und es gibt noch immer Redaktionen und Verlage, die die alte Rechtschreibung anwenden. Warum auch immer …
Kurz und gut: An dieser Stelle werden in unregelmäßigen Abständen Artikel zu diesem Thema erscheinen, die den Umgang mit der neuen Rechtschreibung erleichtern sollen.
P.S. Diesen kurzen Text habe ich selbstverständlich ebenfalls in neuer Rechtschreibung geschrieben. Wer findet die Änderungen gegenüber der früheren Schreibweise? Bitte die betreffenden Wörter/Textstellen als Kommentar posten! Wer zuerst alle Änderungen gefunden und hier gepostet hat, erhält als Geschenk ein Exemplar meines Buches „Der Ratgeber für den faulen Haushalt“, auf Wunsch mit persönlicher Widmung.
Einsendeschluss: 23. November 2011 – viel Spaß!

Unterwegs mit Akribia Schlau-Meier

Mühevoll zog die junge Sprechstundenhilfe die Praxistür von innen auf. Die neue Schmutzfangmatte – was für ein hübsches Wort! Man sieht förmlich die Jäger des verlorenen Schmutzes – sie war offenbar im Weg.

„Die Tür muss noch abgeschleift werden“, meinte die junge Dame und zerrte an der Klinke.

„Um nicht zu sagen: abgeschliffen“, erlaubte ich mir zu ergänzen. Sie blickte mich aus großen Augen fragend an.

Tatsächlich muss das Wort „abschleifen“ unregelmäßig konjugiert werden. Ich schleife eine Tür ab, ich schliff sie ab, ich habe sie abgeschliffen. Man nennt solche Tätigkeitswörter, bei denen sich durch die Beugung der so genannte Stammvokal verändert, „starke Verben“. Schwach sind Verben, die in allen Formen ihren Stammvokal behalten.
Das Verb „schleifen“ kann entweder stark oder schwach sein, je nach Bedeutung. Es ist schwach und wird regelmäßig gebeugt, wenn es „dem Boden gleich machen“ oder „schleppen“ bedeutet: Mauern werden geschleift, das Kleid schleifte am Boden. Aber ein Messer wird geschliffen. Denn in der Bedeutung „etwas schärfen, glätten“ ist „schleifen“ ein starkes Verb und wird unregelmäßig gebeugt.
Und natürlich ist es wünschenswert, dass sich Sprechstundenhilfen einer geschliffenen Sprache bedienen können -und nicht etwa geschleift reden.

Neues aus der Texterei

Pasta-Teller

Nudelteig selber machen? Das verlangt viele starke Helfer, die den Teig kneten, während andere die Sauce oder die Füllung für Tortellini oder Ravioli vorbereiten (…)“ (MOBIL, Das Magazin der Deutschen Bahn, 11/2011)
Da stehen sie nun in meiner Küche, die vielen starken Helfer. Dutzende muskelbepackte Kerle – halbnackt, schwitzend vor Anstrengung, und sie singen die alten, melancholischen Pastateig-Knet-Canzones: „Oh, Mama, hilf mir, der Nudelteig ist so trocken!“ und „Ooooh, warum haben wir nicht lieber Pizza gemacht?“
Hallo, Bahn! Geht’s noch? Da hat wohl jemand die Nudelparty mit dem Bau eines Mehrfamilienhauses verwechselt.