Neues aus der Texterei

In Berlin hat’s geschneit
Berlin ist im Schnee am schönsten. Für ein paar Stunden, solange bis der brausende Verkehr die Pracht zu brauner Pampe verrührt hat, strahlt die Stadt in Sauberkeit. Die Hundehaufen und Glasscherben sind gnädig verdeckt, Getränkebecher und Flaschen versinken unter taumelnden Flocken. Auf Müllcontainern und Abfalleimern sitzen lustige Schneemützen, die parkenden Autos tragen weiße Mäntel. Auf die zugeschneiten Windschutzscheiben malen dick eingepackte Teenies mit behandschuhten Zeigefingern Herzchen mit Pfeilen. Und sie kichern dabei. Immer noch.

Berlin ist romantisch – und still. Der Schnee schluckt den Lärm. Man fährt vorsichtig, die Autos bewegen sich im Schneckentempo auf ihrer weiß glitzernden Bahn, wo man die Spur jedes einzelnen Fahrzeugs bis zu seinem Ziel verfolgen könnte, und ihre Reifen knirschen wie früher der Schlitten auf dem Hang am Lietzensee. 

Lasst mir meine Stadt noch ein Weilchen so schön, fremd und stumm. Dann geh ich raus und helfe euch, die weiße Unschuld zu besudeln. Nur ein paar Minuten. Bitte!





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