Sonntagsfrühstück

Gestern Abend habe ich zum ersten Mal „Big Brother“ gesehen. Das Ganze nennt sich Promi-Big Brother, vermutlich um den Voyeurismus- und Schadenfreude-Faktor zu steigern. Ich hatte vorher darüber gelesen und mich trieb die Neugier an, ob das Format sich für einen gemütlichen Trash-Abend mit Leuten eignet, mit denen wir beim „Dschungelcamp“ oder zum „European Song Contest“ viel Spaß hatten.

Ich war verblüfft: Zunächst einmal sieht die Innendekoration aus, als ob eine Horde pubertierender 14-Jähriger ihre Lehrerin für Bildnerisches Gestalten mal so richtig provozieren wollte. Dass die Innendekoration tatsächlich das Aufregendste bleiben sollte, hat mich dann aber tatsächlich überrascht.

Cindy aus Marzahn und Oliver Pocher, mit denen ich normalerweise eher weniger anfangen kann, mussten als Moderatoren langweilige Sätze sagen, die ihnen von offenkundig lustlosen Textern in den Mund gelegt wurden. Was da an Gags herauströpfelte, hielt sich in sehr engen Grenzen und wurde auch noch überstrapaziert. 

Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten für das Konzept einer solchen Sendung:

1. Ich verlasse mich auf die Moderatoren, nehme die klügsten und witzigsten und mache sie zu Hauptfiguren, z. B. indem ich ihnen Gelegenheit gebe, mit ihren Fähigkeiten zu brillieren, sich gegenseitig die Bälle zuzuspielen und richtig die Sau rauszulassen.

Sowas können die beiden nicht. Sie sind keine Moderatoren, sondern Witzeerzähler. Und vor allem sind sie keine Teamplayer. Sie wirken weder besonders klug noch besonders witzig, sondern einfach nur statisch, zwei monolithische Gestalten, die durch ein hoffentlich großzügiges Honorar zu einer Zweckgemeinschaft geformt wurden, die beiden wenig Spaß zu machen scheint.

2. Ich verlasse mich auf die Kandidaten, wähle die klügsten und witzigsten … etc. (siehe oben).

Sowas können aber die Kandidaten nicht. Ich möchte hier nicht auf dem bereits ausgelatschten Spruch herumtreten, dass diese Prominenten nicht prominent seien, sondern ich möchte beschreiben, was ich gesehen habe: Und das waren ein paar eher uninteressante Menschen, die von finanziellen Problemen und/oder mangelnder Beschäftigung gebeutelt werden und die von der Aussicht auf ein hoffentlich großzügiges Honorar angetrieben werden, sich zum Affen zu machen.

Der Unterschied zwischen dem verschuldeten Hartz IV-Empfänger Heini Pipulke und diesen Leuten ist hauptsächlich, dass die Kandidaten aufgrund ihrer vormaligen oder marginal bestehenden Bekanntheit eine gewisse Eitelkeit und daraus folgend die Gier nach öffentlicher Aufmerksamkeit entwickelt haben, ohne die sie nur schwer zurechtkommen. Wenn sich die gestrigen Kandidaten allerdings tatsächlich versprechen, dass sie aufgrund dieser Sendung ihr Image bzw. ihre Reputation verbessern könnten, dann spricht das weder für ihre Intelligenz noch für ihr Wirklichkeitsempfinden. Vermutlich hat eine Gestalt wie David Hasselhoff noch mal eine Schippe Geld zusätzlich zum Grundhonorar bekommen, aber ob das, wie gewünscht, die Motivation steigert, ist zu bezweifeln. 

So weit, so schlecht. Die Sendung scheint mir, im Gegensatz zu „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“, lieblos produziert und grottig schlecht gemacht. Als Ursache vermute ich ein paar zynische Redakteure, die ihr Publikum für genauso dämlich halten wie ihre Kandidaten. Dass es von Seiten des Senders auch noch Angebote gibt, mit denen man – gegen eine entsprechende Gebühr, versteht sich – den Kandidaten per Livestream nach der Sendung noch ein bisschen zuschauen kann, passt ins Bild. Es ist zu hoffen, dass die Kandidaten von dieser offenkundigen Prostitution wenigstens einen finanziellen Nutzen haben, so dass sie motiviert sind, sich angemessen zu produzieren. 

Ich habe nach zwanzig Minuten umgeschaltet. Sorry, Leute! Das war weder lehrreich noch interessant und vor allem war es nicht lustig. Trashfaktor gleich Null. Also nix für mich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.