So spricht Berlin! – Balinan füa Anfänga (3. Lektion: ick und icke)

Ick und icke
Zur Erinnerung gleich noch einmal die
Berliner Klopsgeschichte
Ick sitze hier und esse Klops.
Uff eema klopp’s.
Ick staune, kieke, wundre mia,
uff eema jehtse uff, de Tüa!
Nanu, denk ick, ick denk: Nanu,
jetzt jeht se uff, erß war se ßu!
Ick jeh maraus und kieke,
und wer steht draußen? … Icke.

Abgesehen davon, dass in diesem kleinen Stückchen Poesie viele typische Eigenarten des Berliner Humors und des Berlinerischen behandelt werden, über die noch zu reden sein wird, ist das Gedicht auch dafür geeignet, sich mit der Verwendung von „ick“ und „icke“ zu beschäftigen.

Ein Berliner würde nämlich niemals sagen: „Icke sitze hier.“ – Aber warum nicht?

Der Grund: Im Berlinerischen werden „ick“ und „icke“ genau so verwendet wie im Französischen das Wort „je“ und „moi“ oder im Englischen „I“ and „me“. In beiden Fällen handelt es sich um das Personalpronomen „ich“. Das Hochdeutsche kennt hier keine Unterscheidung. Wir sagen: „Ich gehe jetzt nach Hause!“, und ebenso: „Wer geht nach Hause? – Ich!“

Es gibt Theorien, wonach diese Unterscheidung dem französischen Einfluss in Berlin zu verdanken ist. Diese Ansicht kann ich nicht unterstützen. Ich (ick) vermute eher, dass wir diese Besonderheit dem Niederdeutschen verdanken, das einen hohen Anteil am Berliner Dialekt ausmacht.

Wer es einfach mag: Verwenden Sie „icke“ in unvollständigen Sätzen oder allein ohne weitere Zusätze. Also beispielsweise als Ausruf und als Frage: „Wea? – Icke?“ oder in dem beliebten Berliner Leidensschrei, den normalerweise auch schon Dreijährige beherrschen: „Imma icke!“

In vollständigen Sätzen wird „ick“ benutzt. Also: „Ick weeß jahnich, wattick will.“ („Ich weiß gar nicht, was ich will.“) oder „Wat haick dir jesacht?“ („Was hab ich dir gesagt?“) oder „Ick und meene Mutta, wia beede jehn jerne schnökan.“ („Ich gehe gern mit meiner Mutter Kuchen essen und Kaffee trinken.“)

Gehobenes oder auch albernes bzw. selbstironisches Berlinerisch ist die absichtliche Vertauschung von Nominativ und Dativ: „Haste wieda nich uffjeräumt?“ – „Wea? Mia?“ statt „Wea? Icke?“

Viel Spaß mit „ick“ und „icke“ wünscht
Icke von umme Ecke

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