Als Dozentin unterwegs … Sprichwörter

Was für eine hübsche Idee! Sprichwörter werden verdreht und neu kombiniert. Es ist erstaunlich, welch tiefe Wahrheit manchmal in den vertauschten Formulierungen liegt. Link zum Sprichwortrekombinator

Unerreicht allerdings ist immer noch die Kreation meiner Schulfreundin Bärbel, die dereinst sprach:
„Das ist der Funke, der das Fass zum Überlaufen bringt.“

Foto: Gabriele Sikorski

In meinen Schreibkursen und Workshops arbeite ich gern zum Warmup oder zur Auflockerung zwischendurch mit Sprichwörtern. Woher kommen sie? Was bedeuten sie?
Sprichwörter und Redewendungen sind gelebte Sprachgeschichte und vielleicht deshalb so beliebt. Schon lange und ebenfalls sehr gern entwickle ich Übungen mit verballhornten Sprichwörtern – und verwende dafür eine Art analogen Sprichwortrekombinator: Man schreibt ein Sprichwort oder eine Redewendung in zwei Teilen auf und setzt sie dann neu zusammen: „Wer andern eine Grube gräbt, braucht für den Spott nicht zu sorgen.“ Oder „Morgenstund ist aller Laster Anfang.“

Eine andere Übung besteht darin, dass man versucht, einen ähnlich klingenden Begriff für den inhaltlichen Kern eines Sprichworts zu finden, oder man vertauscht Wortanfänge.

Hier ist also Kreativität gefragt! „Sich sägen bringt Regen.“, oder: „Was lange gärt, wird endlich Wut!“, sind einige der bekanntesten Kreationen. Im nicht nur für Deutsch-Lehrkräfte sehr empfehlenswerten Portal „Deutsch und deutlich“ findet man Arbeitsblätter hierzu. Hier ist ein sehr schönes:

No. 1 in meinen Kurs-Charts ist zurzeit: „Ewig währt am längsten.“, gefolgt von „Der Scheck heiligt die Mittel.“

Und wer sich nun so richtig dafür interessiert – es gibt ein Portal für Redensarten mit einem richtig guten Quiz in verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Link zum Redensarten-Index:

Neue Rechtschreibung – kein Problem! (3)

Das Ende der großen Verwirrung – „ß“ oder „ss“?
Heute habe ich hervorquellenden Auges in meinen Blogstatistiken gelesen, dass ich beängstigend viele Klicks über die gemeinsamen Suchbegriffe „Straße, neue Rechtschreibung“ bekomme. Aha …
Also, ihr Lieben, Fans der deutschen Sprache und Gebeutelte der Rechtschreibreform, jetzt noch mal:
Die Schreibweise des Wortes „Straße“ hat überraschenderweise überhaupt nichts mit neuer Rechtschreibung zu tun. „Straße“ schreibt man mit „ß“, man hat es vor der Rechtschreibreform mit „ß“ geschrieben, und man schreibt es immer noch so. Wenn es Leute gibt, die meinen, man müsse Straße mit „ss“ schreiben, dann schreiben sie es falsch, und sie haben a) sich nicht wirklich um die Rechtschreibreform gekümmert oder b) keine Ahnung von unserer Sprache. Oder sie können nicht in Wörterbüchern oder im Internet nachsehen. 
Noch einmal – und jetzt für alle: „ß“ schreibt man nach einem langen Vokal, dazu gehören auch lang ausgesprochene Umlaute (ä, ö, ü) und Diphthonge oder Zwielaute (ie, ei, eu, au).
Korrekt ist also: Straße (langes A), Gruß (langes U), Grüße (langes Ü), fließen (IE = lang), fleißig (EI = lang), scheußlich (EU =lang), außen (AU = lang), Floß (langes O) usw. Hier hat sich nichts, aber auch gar nichts geändert! Diese Schreibweise gilt ohne Ausnahmen, also: Der scharfe s-Laut wird im Deutschen nach langen Vokalen (inkl. langen Umlauten und Diphthongen immer (ich wiederhole: immer!) als „ß“ geschrieben. 

Was hat sich also geändert? Was wurde denn hier überhaupt rechtschreibreformiert? Achtung, jetzt kommt’s: Nach einem kurzen Vokal wird der scharfe s-Laut immer (ich wiederhole: immer!) mit „ss“ geschrieben. Bitte jetzt mal kurz nachdenken, dann diesen Satz nochmals lesen. 

Das bedeutet: Tasse und küssen schreibt man immer schon mit „ss“ (kurzer Vokal -> scharfer s-Laut = „ss“) und seit 1996 (!) eben auch bisschen (kurzes I), Tässchen (kurzes Ä), Küsschen (kurzes Ü), muss (kurzes U), Fass (kurzes A). 
Also eigentlich ganz einfach. Keine Ausnahmen. Keine!
Jetzt für die Oberschlauen, die Besserwisser, die ewigen Aber-Sager: Ja, natürlich gibt es auch immer noch das einfache S, das stimmhafte (oder weiche) S, das sich beispielsweise im Kreis herumtreibt oder bei Susi, aber auch im Zeugnis und in der Erkenntnis (Endsilbe -nis in der Einzahl, -nisse in der Mehrzahl). Hier hat sich natürlich gar nichts geändert. Alles wie gehabt.

Dann wollen wir doch mal sehen, wie viele Hits ich in einem halben Jahr über „Straße, neue Rechtschreibung“ bekomme!