Montagstexte

Ruhiger Geschäftsgang
Ein mitgehörtes Kurzdrama 
Personen: zwei Penner unbestimmbaren Alters

Ort: S-Bf. Anhalter Bahnhof, Bahnsteig Richtung Süden, eine vormals weiße Holzbank
Zeit: immer

1. Penner:
… früher konnteste Friedrichstraße inne halbe Stunde ’ne janze Ikeatasche Bierflaschen sammeln. Und denn haste noch Kippen jekricht und Jeld. Hier’n Fuffzijer, mal’n Euro. Jetzt findeste fürleich eene oda ßwee Pullen, wenn’t hochkommt. 

2. Penner:
Friedrichstraße geht nicht mehr. Geht alles nicht mehr. Morgens nicht, abends nicht. Nichma abends.
Tempodrom war auch mal gut … Da hab ich mal 10 Euro gekriegt. Hat mir einer in die Hand gedrückt. Einfach so.
1. Penner: 
Bei Lidl ha’ick vor Weihnachten ’n Zwickel jekricht. Eenma!

2. Penner:
Lidl Kolonnenbrücke?
1. Penner:
Ja, wamajut. Aba kannste ooch vajessen. Nüscht mehr. Janüscht mehr. Jeh ick nich mehr. 
Wo bist’n morjen?
2. Penner:
Jobcenter. Hartz 4. Arschlöcher. Und du?
1. Penner:
Weeß noch nich. Vielleicht Kaiser’s Bergmann.
… und dann kam meine S-Bahn.

Neues aus der Texterei – Projekt: Der Atlas zur deutschen Alltagssprache

Was für ein großartiges Projekt! Hier stöbere ich gern herum. Ich mag nämlich Dialekte, und zwar sämtliche – sogar Sächsisch und Ruhrpottdeutsch! – und ich liebe es, meinen Wortschatz zu erweitern und dabei zuzusehen, wie sich die deutsche Sprache verändert. 


Denn wer hätte gedacht, dass inzwischen beinahe im gesamten deutschen Sprachraum „eh“ für das schöne preußische „sowieso“ gesagt wird? Nur in Vorpommern an der Ostsee gibt es ein paar unerschrockene Strandmützen, die sich weigern, die ursprünglich süd- und westdeutsche Variante zu übernehmen, die sich jetzt überall breitgemacht hat. Eine Folge der Wende, so ist zu vermuten. Die eh-Ausbreitung hat sich nämlich seit den 80er Jahren stark verändert. Wenn ich dazu befragt würde, hätte ich auch eine Begründung parat: „Eh“ ist kürzer und passt deshalb perfekt in die Gruppe der Interjektionen (Ausrufe), wa ey?

Ich erwarte gespannt, wann die Ergebnisse der 10. Runde  kommen. Sie läuft gerade, man kann sogar – und das ist das Tollste! – selbst mitwirken. Mit der Auswertung werde ich dann endlich erfahren, ob meine Beobachtung stimmt, dass sich „tschüs“ (auch die Schreibweise „tschüss“ ist korrekt!) über den gesamten deutschen Sprachraum ausgebreitet hat …

Also nur Mut – macht mit! Die Beantwortung der Fragen macht richtig Laune. Für mich war es schön, mich an die Sprache meiner Familie zu erinnern: an Bucker und Murmeln, an Krümel und an Räuberleitern.
Euch allen wünsche ich ebenfalls viel Spaß bei der Entdeckungsreise durch die Welt der deutschen Dialekte! Hier ist der Link!